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Das glückhafte Spieljahr 1955/56
Der Aufstieg- in die Oberliga

Man kann keinesfalls sagen, dass die Vorbereitungen auf die jeweilige neue Spielzeit in den vorausgegangenen Jahren etwa weniger ernst genommen worden wären. Es wurde alles getan, um frisch und - soweit es möglich war - verstärkt in die Runden zu gehen. In diesem Spieljahr tat man noch ein übrigens: Die Mannschaft fuhr mit Trainer und Betreuer für zehn Tage in ein Trainingslager in das Verbandsheim des Südwestdeutschen Fußballverbandes in Edenkoben (Pfalz). Inzwischen waren als Neu Verpflichtungen die Spieler Wächter (Sodingen), Karen und Sokoll (l.FC Kaiserslautern) zu uns gekommen. Das Trainingslager sollte neben der praktischen Tätigkeit auch die Kameradschaft fördern und den neuen Spielern das Hineinwachsen in die Mannschaft erleichtern. Es war daher wohl verständlich, dass man mit einigem Interesse der ersten Begegnung im neuen Spieljahr entgegensah. Wieder war Radnicki Belgrad zu einem Gastspiel nach Freiburg gekommen. Die Jugoslawen schienen in ihrem spielerischen Können noch reifer geworden zu sein und so ging unsere Elf mit 2:6 sang- und klanglos ein. Auch das nächste Spiel gegen den SSV Reutlingen brachte einen weiteren Dämpfer, denn die Schwaben, alte Bekannte aus der Zonenliga und 2. Süddeutschen Liga und derzeit in der Oberliga spielend, erteilten uns mit 5:1 eine weitere Lektion. Man hatte sich insgeheim über das Trainingslager lustig gemacht, nachdem derart negative Auswirkungen zu verzeichnen waren. Es wurde dabei aber ganz übersehen, dass es sich um zwei sehr
schwere Sparringspartner gehandelt hafte, die unserer Mannschaft als erste vorgesetzt wurden. Der Karlsruher SC, inzwischen Deutscher Pokalmeister geworden, machte sein Versprechen wahr und kam zur Wiederholung jenes im „Wasser ertrunkenen" Spiels noch einmal nach Freiburg. Die Zuschauer waren wohl wegen der Karlsruher Klassenmannschaft gekommen; denn gegen diesen Gegner erhofften sie sich von den Freiburgern ebenso wenig, wie in den vorhergegangenen Spielen gezeigt worden war. Als es am Schluss aber dann 4:1 für den Freiburger FC lautete, da kannten Überraschung und Erstaunen keine Grenzen mehr. Unsere Mannschaft schien sich nun gefunden zu haben und man hätte sich den Abschluss der Freundschaftsspiele doch etwas gehaltvoller gewünscht, als dies dann gegen Schwaben Augsburg geschehen ist. Für ein Freundschaftsspiel brachten die Augsburger eine sinnlose Härte ins Spiel, als sie sahen, dass sie nicht im Vorbeigehen gewinnen konnten. Beim Stande von 2:1 für uns sollte der Augsburger Spieler Schmelzinger auf Weisung des Schiedsrichters den Platz verlassen, da er zu hart „eingestiegen" war. Dieser Aufforderung kam er nicht nach, so dass der Unparteiische in der zweiten Halbzeit das Spiel abbrechen musste.

Einen Sonntag nach diesem bedauerlichen Vorfall ging es zum sechsten Mal in die schwere Meisterschaftsrunde. Zunächst wird uns über ihren Verlauf das folgende Zahlenbild Aufschluss geben:
Freiburger FC — SV Darmstadt 2:2, (5:3)
FC Singen — Freiburger FC 2:0, (1:3)
Freiburger FC — Bayern Hof 5:2, (0:1)
FC Penzberg — Freiburger FC 2:2, (2:6)
Freiburger FC — VfB Heinibrechts 6:1, (0:0)
Freiburger FC — FC Hanau 2:0. (3:3)
Karlsruher FV — Freiburger FC 1:2, (2:3)
Freiburger FC - Bayern München 2:0, (2:2)
SV Waldhof — Freiburger FC l :3, (0:8)
Freiburger FC —SV Wiesbaden 2:0, (1:3)
TSG Ulm — Freiburger FC l :0, (l :1)
FC Pforzheim — Freiburger FC 2:0, (0:0)
Freiburger FC — Hessen Kassel 3:1, (1:2)
TSV Straubing — Freiburger FC 1:1, (0:3)
FC Bamberg — Freiburger FC 2:4, (1:2)
Freiburger FC — VfL Neustadt l :0, (1:0)
Freiburger FC — ASV Cham 1:1, (2:1)

Der Beginn auch dieses Spieljahres hatte kein anderes Aussehen als die fünf anderen vorher. Einem Unentschieden auf eigenem Platz folgte die Niederlage in Singen und als wir nach dem Spiel gegen Bayern Hof drei Punkte hatten, da schauten wir vom zehnten Platz in die Höhe nach einer uns unerreichbar scheinenden Spitze. Aber dann begann der anstrengende Marsch, bis am 9. Oktober nach dem 2:1 Erfolg gegen den Karlsruher FV zum ersten Mal die Tabellenführung übernommen werden konnte. Nach vier Wochen stellten sich noch einmal zwei Misserfolge nacheinander ein, in Ulm hieß es 1:0, in Pforzheim 2:0, jeweils zu Gunsten der Gastgeber. Die Folge war ein Abrutsch auf den vierten Platz. Aber die sich wieder einstellenden Erfolge, bezw. Teilerfolge zogen uns wieder nach oben und nach dem 4:2 Sieg in Bamberg standen wir am 4. Dezember erneut auf dem ersten Platz. Nach Abschluß der Vorrunde lautete die Spitzengruppe: Freiburger FC, VfL Neustadt, Bayern München, SV Darmstadt, ASV Cham. S o erhebend diese erstmals in den sechs Jahren, der Zugehörigkeit zur zweiten Liga errungene Stellung auch war, so schwer waren auch die Anforderungen, die im zweiten Teil des Spielprogramms an unsere Mannschaft gestellt wurden. Bisher war sie dem wertvollsten aller Plätze nachgejagt, jetzt aber, da sie ihn erreicht hatte, wurde sie selbst gejagt. Gejagt in 17 schweren Spielen, in denen jeder Gegner gegen den Tabellenführer gewinnen wollte. Schon das Wissen um dieses Gejagtsein bedeutete eine außergewöhnliche Nervenbelastung, um wie viel höher sind daher die Erfolge einzuschätzen gewesen, die auf fremden Plätzen errungen wurden. Von den sieben auswärts erzielten doppelten Punktgewinnen fielen allein vier auf die Rückrunde. Als wir gegen Bayern München in der bayerischen Landeshauptstadt mit 2:1 gewonnen und am Sonntag darauf den SV Waldhof mit 8:0 eingedeckt hatten, betrug unser Punktvorsprung gegenüber dem Zweiten fünf Zähler, so dass man zu jenem Zeitpunkt — neun Wochen vor Beendigung der Spiele — geneigt schien, zu glauben, dass das Rennen gelaufen sei. Aber Niederlagen gegen Wiesbaden, Kassel und das 1:1 auf eigenem Platz gegen Ulm ließen den Vorsprung wie wie Butter an der Sonne zusammenschmelzen, Ein einziger Punkt trennte uns noch von Bayern München, und der war damals nicht mehr ganz echt, da die Bayern ein Spiel weniger hatten. Erst als sie das Nachholspiel an Ostern gegen den FC Pforzheim verloren hatten, waren wir wieder rechtmäßiger Besitzer dieses Ein-Punkt-Vorsprunges. Die letzten Spiele, die wir als die schwersten wähnten, gingen ohne Schaden vorüber. Was uns in fünf Jahren nicht gelungen war, nämlich Cham auf eigenem Platz zu schlagen, hier wurde es zum Ereignis. Es war außerordentlich bedauerlich, dass unser Mannschaftskapitän Paul Lehmann im Neustädter Spiel so erheblich verletzt wurde, daß er in den letzten drei Spielen außer Gefecht gesetzt war. Er durfte aber dennoch für sich in Anspruch nehmen, dass er bis dahin mit seinen Kameraden zusammen den Grundstein für Aufstieg und Meisterschaft gelegt hatte. In den Morgenstunden des 30. April 1956 wurde die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Cham von einer tausendköpfigen Menge am Freiburger Bahnhof mit Geräuschinstrumenten aller Art und mit Böller jubelnd empfangen, als herzlichen Dank dafür, den Freiburger FC wieder in die oberste Spielklasse geführt zu haben. Nach dem Aufstieg auch die Meisterschaft. Mit dem Aufstieg war allerdings die Meisterschaft noch nicht gleichzeitig entschieden. Bayern München folgte sehr dicht auf dem zweiten Platz, aber in den letzten Spielen wurde dann auch noch aus eigener Kraft die Meisterschaft der 2. Süddeutschen Liga errungen und damit der Erfolg vollkommen.
Bericht aus den Vereinsnachrichten von 1956